Visited: Wien, Graz und Linz

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Aufmerksame Leser*innen haben es bestimmt im Hinterkopf: der Beste aller Männer ist Österreicher. Darum habe ich sieben Jahre in Graz gelebt und darum haben wir Freunde quer durch Österreich verstreut. Und darum machen wir alle paar Jahre eine Rundreise und versuchen so viele wie möglich dabei zu treffen. Weil wir inzwischen alt und bequem sind und der Beste aller Hunde viel Ruhe braucht, haben wir diesmal in Hotels geschlafen, statt auf diversen Sofas. Und wir waren viel auswärts essen. Dabei habe ich einige Fotos gemacht (um nicht unangenehm aufzufallen nur mit dem Handy und vor allem vom Essen) und für Euch gesammelt. Vielleicht verschlägt es Euch ja auch mal in die drei größten Städte Österreichs (oder Ihr gehört zu unseren Freunden, wohnt eh dort und geht nur viel zu selten vegan essen). Jedenfalls hoffe ich, dass für den einen oder die andere Inspiration dabei ist. Zusammenfassend kann man sagen, dass sich das vegane Angebot in Österreich in den letzten Jahren verfielfacht hat und man zb in Wien ebenso tolle Lokale findet wie in Berlin. Besser als mit dem sabbernden Hugo kann man es nicht auf den Punkt bzw. ein Bild bringen.

Front food (Linz)

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Das Front food in Linz ist nach eigener Angabe Österreichs erstes reinveganes Fastfood Restaurant. Wir waren an einem Freitag Abend dort und haben einen schnellen Burger mit Pommes gegessen. Das Essen wurde zügig zubereitet und gebracht. Es gab Pommes ohne Salz für Hugo, einen Schnitzlinger für mich und einen Firestarter für Kristian (der Burger war allerdings wirklich richtig scharf).
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Es hat alles gut geschmeckt, allerdings hätten wir lieber von Tellern gegessen und Müll gespart. Auch die Atmosphäre war trotz der tollen Lage in der pittoresken Innenstadt eher kühl und imbissig. Mit mehr Deko und anderen Öffnungszeiten, könnte ich mir gut vorstellen, länger zu verweilen.
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Akakiko (Linz)

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Das Akakiko in der Linz Passage ist ein Lokal der gleichnamigen Kette. Filialen gibt es zb auch in Wien. Man kocht japanische Fusionküche; für Veganer wurde extra ein Abschnitt in der Karte angelegt, der nochmal alle veganen Gerichte zusammenfasst. Insgesamt ist die Kennzeichnung der Gerichte vorbildlich.
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Wir testeten einen Avocadosalat (der lustigerweise auch Kürbiskernöl im Dressing hatte, das ist dann wohl Fusion), Kyosa und Saigon Shitake Noodles.
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Alle Gerichte schmeckten gut, kamen schnell und sogar Hugo wurde ein Wassernapf gebracht. Selbst als er diesen durchs Lokal entleerte und schön verteilte, blieb der Service freundlich und kam mit dem Wischmopp. Auch wenn wir gehört haben, dass das Akakiko in Wien nicht so einen guten Ruf geniesst, waren wir in Linz rundum zufrieden.
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Eisdieler (Linz)

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Der Eisdieler in Linz könnte auch gut Eisdealer heissen. Erstens habe ich noch nie so verdammt gutes, veganes Eis gegessen (auch nicht in reinveganen Eissalons) und zweitens ist es auch so teuer wie Drogen. Für 6 Kugeln bezahlten wir insgesamt 12,40. Dafür war dann aber auch das ein oder andere Superfood in den Sorten versteckt. Es hätte übrigens auch vegane Waffeln (Stanizel), gegeben. Meine absolute Lieblingsvariation war Banane, Erdnuss, Ingwer.
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Café Erde (Graz)

Das reinvegane Café Erde am Andreas Hofer Platz in Graz ist einfach wunderbar. Und ich habe leider keine Fotos, die ihm gerecht werden. Am ersten Abend in Graz war Hugo zu erschöpft für ein Lokal und wir haben uns verschiedene Wraps abgeholt. Wir saßen also mit einem sabbernden Hund auf der Rückbank im Auto, hatten uns großflächig mit Küchenrolle eingedeckt und verschlangen die unglaublich leckeren Wraps. Sie überzeugten vor allem durch die perfekt gebratenen Proteinkomponenten und die leckeren Saucen (Seitan mit Paprikasauce, Tofu mit Curry, Tempeh mit weiß ich nicht mehr und Falafel mit Hummus). Später kamen wir dann müde, glücklich, mit klebrigen Fingern und einer ordentlichen Knoblauchfahne im Hotel an und wussten: da MÜSSEN wir wieder hin.
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Das haben wir dann am letzten Abend in Graz nochmal geschafft. Man hätte noch so viel anderes probieren können. Z.B. die Burger, das Gyros oder die Tagesgerichte. Aber wir landeten wieder bei den Wraps und Holunderblütensaft. Da das Lokal erneut rappelvoll war, habe ich nur die Fotos von den beiden Wraps. Aber ich kann Euch verraten, dass das Ambiente warm und einladend ist, die Bedienung total freundlich und die Preise absolut fair. Also: hin da. Würde ich noch in Graz leben, würde es mein Stammlokal.

Eisgreissler (Graz)

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Was soll ich sagen. Es kann mir nicht überall gleich gut schmecken. Wenn Ihr natürlich schmeckendes, nicht zu süßes Fruchteis mögt, seid Ihr hier richtig (der Beste aller Männer war zufrieden). Wenn Ihr gerne sahnige Sorten mögt, eindeutig nicht. Vielleicht hatte ich nur Pech mit dem Schokoeis (das andere Milcheis war mit Kaffee, den ich nicht vertrage), aber weder Schmelz noch Geschmack konnten mich vom Hocker hauen. Auch die Kuh an der Wand (im Stil eines ausgestopften Hirschkopfs) wollte mein veganes Herz nicht höher schlagen lassen. Auf der Hälfte bekam ich einen Anruf und mein Eis fiel auf den Boden. Ich habe kein neues gekauft. Aber sehen wir es positiv: man bekommt in Graz veganes Eis 😉

Masala (Graz)

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Obwohl es in Graz eine (gemessen an der Anzahl der Bewohner) Masse an veganen Angeboten gibt, zog es uns ins Masala, das früher in unserer direkten Nachbarschaft lag. Trotzdem dort auch Fleisch angeboten wird, liegt der Schwerpunkt auf vegetarisch/vegan. Gerne haben wir dort früher im schönen Gastgarten gesessen.Auch, weil die Preise für Studenten gut bezahlbar sind. Inzwischen wurde das Lokal renoviert und erweitert. Leider ist dabei die Gemütlichkeit etwas auf der Strecke geblieben. Fliesen und eher kühles Licht sind durch die schönste Deko schwer aufzufangen. Gleichgeblieben sind aber der herzliche Service und gutes Essen zu erschwinglichen Preisen.2015-09-21 19.40.53 2015-09-21 19.53.48 2015-09-21 20.01.49 2015-09-21 20.01.57

 

Le Schnurrbart (Graz)

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Jetzt kommt wieder eine 100%ige Hingehempfehlung. Zwar ist le Schnurrbart kein veganer Laden, ist aber total veganfreundlich und gemütlich ohne Ende. Ihr findet ihn in der Paulustorgasse am Fuß des Schlossberg. Ihr könnt also prima von der Innenstadtseite aus über die Treppen (oder Lift oder Bahn) auf den Schlossberg und hinten herunter spazieren. So haben wir es jedenfalls gemacht und waren pünktlich um 12h da, als die Tür geöffnet wurde. Daher konnte ich auch noch ein paar schnelle Fotos machen.

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Ich persönlich fühle mich in solchen Läden am wohlsten. Alles bunt zusammengewürfelt, aber wahnsinnig gemütlich. Ein bißchen Berlin irgendwie. Auf der Karte finden sich Galettes und Crepes in veganen Varianten, Säfte aus der Region aber auch Kaffeespezialitäten mit pflanzlicher Milch. Wir haben zunächste deftige Galettes bestellt:

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Die waren so lecker und so schnell aufgegessen, dass wir übermütig süße Crepes (Schoko-Banane und Maronicreme) sowie vegane Schokoshots (mit Zimt/Chili) hinterherbestellt haben. Während Hugo fröhlich auf meine Jacke (hatten seine Decke vergessen) sabberte, beförderten wir uns in ein Fresskoma. Gut, dass wir zum Hotel eine Dreiviertelstunde laufen konnten. Lasst Euch gesagt sein, dass eins der drei Dinge zuviel ist 😀

Swing Kitchen (Wien)

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Die Swing Kitchen liegt am Rande des verkehrsberuhigten Teils der Mariahilfer-Strasse und ist daher am besten mit den Öffis (U Zieglergasse) zu erreichen. Einen Parkplatz zu finden ist ein Kunststück und man braucht Scheine für die Kurzparkzone. Oder muss in ein überteuertes Parkhaus fahren. Also am besten die U-Bahn nehmen. Falls Ihr einen Hund dabei habt, braucht Ihr dafür einen Maulkorb.
Wir besuchten den Laden an einem Donnerstagabend und fanden ihn rappelvoll vor. Als wir unser Essen bestellten, war kein Platz frei und wir hofften einfach, dass sich das ändert, bis es fertig ist. Die Küche ist dort allerdings unglaublich schnell, so dass wir binnen Minuten unser Tablett hatten. Glücklicherweise hatten wir den niedlichen Hund dabei, so dass man Mitleid mit uns hatte und zwei nette Menschen ihren Tisch räumten, so dass wir in Ruhe essen konnten.
Auf der Karte findet sich (ausschließlich veganes) Fastfood in toller Qualität. Es gibt zb. Burger und Wraps, hausgemachte Pommes und statt den typischen Softdrinks Saftschorlen. Auch süßen Nachtisch (Softeis!) und Gebäck haben wir gesehen. Aber es passte einfach nicht mehr rein.
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Das Essen war lecker, frisch und die Atmosphäre toll. Nicht so, dass man einen Abend lang dort sitzen wollen würde, sondern einfach sehr lebendig. Einziges Manko: der viele Verpackungsmüll. Hugo bekam übrigens einen Napf Wasser gebracht und fand unsere Pommes so gut, dass sich zu seinen Füßen ein kleiner Sabbersee bildete 😀
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Veganista Ice Cream (Wien)

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Den Veganista Eissalon zu besuchen, stand weit, weit oben auf meiner Liste, seit ich nach ihren phänomenalen Rezepten Eis ‚koche‘. Da ich es tagsüber nie unterbringen konnte, musste ich im Dunkeln hin. Übrigens gibt es zwei Standorte. Einmal im 5. und einmal im 7. Bezirk. Die Fotos stammen aus der Margaretenstr., wo sich auch der Veganz befindet.

Das Eis war wunderbar und so viele vegane Sorten zu sehen, hat mich wirklich geflashed. Bald sollen auch viele tolle Wintersorten kommen. Ich kann bestätigen, dass das Eis auch mit Jacke mundet.

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Schillinger (Groß Mugl bei Wien)

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So aufregend Wien ist, so schnell geht es mir immer wieder auf die Nerven. Der Autoverkehr ist laut und rücksichtslos, wie ich es selten gesehen habe. Hugo war auch schon grenzwertig erschöpft. Daher habe ich mich sehr gefreut, als ich die Webseite des Schillinger in Groß Mugl fand. Fragt mich nicht, wie es geht, dass ein großes Gasthaus eine gute halbe Stunde außerhalb von Wien, mitten in der Pampa (wer den Film Indien gesehen hat, weiß Bescheid) Erfolg hat. Schon an einem Mittag unter der Woche hat der Laden gebrummt. Es muss am freundlichen Service (nirgends wurde Hugo so herzlich empfangen und betüdelt) und dem wahnsinnig guten Essen liegen. Wenn man die Speisekarte liest, auf der sich österreichische Schmankerln aber auch Burger finden, weiß man nicht, was man bestellen soll. Es klingt einfach alles unfassbar gut. Vor allem für eine wie mich, die immer gerne in Brauhäusern Haxn bestellt hat. So fiel die Wahl auf Frittatensuppe und eine gemeinsame Grillplatte.

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Wer vegane Ersatzprodukte kennt, der weiß, dass es nicht nur auf das richtige Produkt, sondern auch die richtige Zubereitung ankommt. Bei dieser Platte stimmte einfach alles, auch wenn wir leider nicht aufessen konnten.

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Gut, dass Hugo da war, um uns mit den Pommes zu helfen. Übrigens finden sich rund um den Ort tolle Spaziergehstrecken für Mensch und Vierbeiner.
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Weingut Feuerwehr Wagner (Wien)

Noch völlig berauscht vom Schillinger Erlebnis, wollte ich noch etwas typisch Wienerisches in vegan testen. Einen Heurigen nämlich. Heurige findet man oft am Land oder Stadtrand. Dort gibt es frischen Wein (vom gleichen Jahr) und deftige Speisen zum kleinen Preis. Man muss sowas mögen und ich liebte es bisher genauso wie Buschenschanken. Der von uns besuchte Heurige Feuerwehr Wagner liegt in Döbling (oder auch Schnöselhausen) und hat als einziger eine eigene, vegane Karte. Ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll: da würde ich nicht nochmal hingehen. An einem Samstagnachmittag um 16h war der Laden schon so ausreserviert, dass wir nur noch gegenüber der Theke sitzen konnten. In Österreich bedeutet das leider oft immer noch im Raucherbereich. So auch hier. Hätten wir nicht Freunde dabeigehabt, wären wir schon deswegen wieder gegangen. So setzten wir uns, bestellten Sturm (Federweißer) und Holundersaft und nahmen die Karte in Augenschein. Darauf fanden sich gut klingende, saisonale Gerichte (Eierschwammerlbratlinge, Spinattaschen, panierter Kürbis), die wir an der Essenstheke in Auftrag gaben und bezahlten (typisch für Heurige). Als das Essen dann kam, waren wir doch eher enttäuscht. Hatten uns das doch irgendwie frischer und gesünder vorgestellt.
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Das kam doch alles als panierter Einheitsbrei daher und die Pfifferlinge waren aus den Bratlingen nicht herauszuschmecken. Die Sauce (auf Nachfrage, was es für eine Sauce sei, bekamen wir ‚vegane Sauce‘ als Antwort) schmeckte vorwiegend nach Hefeflocken und war auch nicht der Renner. Es tut mir ein wenig leid, so rumzumeckern, weil es mich wahnsinnig freut, dass es endlich ein veganes Angebot gibt. Bloß können das andere deutlich besser. Der Höhepunkt war allerdings, dass uns der Kellner ohne zu fragen mitten in unserem Essen andere Leute mit an den Tisch setze, die haufenweise Kadaver mitbrachten. Mir gegenüber saß eine Amerikanerin, die sich mit verzückt rollenden Augen Schweinebraten in den Mund schob und ausrief ‚oh, it’s so delicious‘. Ich fühlte mich genötigt zu antworten ’no, it’s dead‘ und damit war der Nachmittag dann wirklich gelaufen. Hugo furzte dazu vernehmlich unter dem Tisch und wir suchten das Weite.

NomNom Vegan Bakery (Wien)

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Mit Wien wieder versöhnt hat mich die NomNom Vegan Bakery. Leider gerade von außen eingebaustellt und innen alle Tische besetzt. Also habe ich für Euch nur ein Foto von der Theke gemacht. Lasst mich aber verraten, dass der Laden ein Kleinmädchenprinzessinnentraum in Weiß und Pink ist. Man erwartet eigentlich, dass die Servicekraft im Tüllkleid mit Zauberstab um die Ecke schwebt. Traumhaft waren dann auch die zu Freunden mitgebrachten Kuchen, Torten und Cupcakes. Für die Punschkrapfen könnte ich sterben. Dafür ein gutes Rezept zu finden, steht jetzt oben auf der ToDo-Liste.

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4 Gedanken zu „Visited: Wien, Graz und Linz

    • Liebe Sarah!
      Danke für den netten Kommentar. Wir werden im November noch die andere Landeshälfte besuchen. Ich freue mich jetzt schon 🙂

  1. Hallo, Julia! Schön, dass wir in deinem Wien-Besuch auch vorkamen und dass dir die Punschkrapfen so geschmeckt haben 🙂
    Das Rezept dafür findest du übrigens in unserem Backbuch „Wir backen vegan“ (Siegfried und Melanie Kröpfl).

    Süße Grüße,
    Melanie vom NomNom

    • Liebe Melanie!
      Das ist ja ein ganz wunderbares Argument, sich ein weiteres Backbuch anzuschaffen 🙂 Ich habe schon eine ganze Sammlung und bekomme nie genug vom Schmökern in Rezepten. Und diese Punschkrapfen allein sind schon ein Kaufgrund.
      Viele Grüße von Bremen nach Wien,
      Julia

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