Reingekocht: Patrick Bolk, Vegan im Job

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Wusstet Ihr eigentlich, dass ich ein kleinbißchen süchtig nach veganen Kochbüchern bin? Das Absurde ist, dass ich aber so gut wie nie daraus koche. Ich erfreue mich einfach an ihrem Besitz, bewundere die schönen Fotos, denke mich durch die Rezepte, lasse mich inspirieren, vergleiche die vegane Küche und die verfügbaren Zutaten in verschiedenen Ländern. Nun ist das ein recht dekadentes Hobby und die schönen Bücher viel zu schade, um jungfräulich im Regal zu stehen. Also habe ich mich entschlossen, mich einmal durch die vorhandenen Kochbücher zu kochen (damit meine ich mindestens ein Rezept pro Buch. Vertraut mir, auch damit werden wir eine Weile beschäftigt sein) und meine Eindrücke für Euch zusammenzufassen. Da der Beste aller Männer normalerweise meinem Kochdiktat unterworfen ist, lass ich ihn die Rezepte aussuchen.

Beginnen möchte ich diese neue Rubrik in meinem Blog mit dem Buch ‚Vegan im Job‘ von Patrick Bolk aus dem südwest Verlag. Das Buch umfasst etwas über 60 Rezepte, die sich an Menschen richten, die sich neben einem anspruchsvollen Job mit selbstgekochten, veganen Gerichten versorgen wollen. Hervorzuheben ist die umfangreiche Einführung des Autors mit vielen Tipps rund ums vegane Leben und Kochen. Das erste Rezept findet man auf Seite 40. Bis dahin erfährt man, warum vegane Ernährung sinnvoll ist, wie und wo man vegane Lebensmittel einkaufen kann und wie man sie lagern sollte. Wie man die fertigen Gerichte transportieren kann, wie man sich in Kantine und Restaurants durchschlägt. Aber auch, dass Vorkochen sinnvoll ist, ebenso wie Einfrieren, welche Küchenhelfer praktisch sind usw. Auch im Anhang des Buchs finden sich noch reichlich nützliche Dinge. ZB ein Beispielplan für eine Woche mit kompletter Einkaufsliste, ein Saisonkalender für frische Zutaten und eine umfangreiche Liste mit veganen Infos im Netz und Onlineshops. Dadurch wird das Buch zum idealen Buch für Einsteiger, die veganinteressiert sind, aber Angst vor der Umsetzung haben. Kocherfahrene dagegen werden kaum Neues entdecken und hätten sich sicher mehr über ein paar weitere Rezepte gefreut.
Die Rezepte gliedern sich in vier Bereiche: Frühstück, Lunch to go, Quick Dinner und Partytime (wobei mich letzteres wirklich überrascht hat, da es sich doch eher mäßig gut in das Jobthema einfügt). Jedes Rezepte ist mit Symbolen versehen, die einen über die Portionen, Zubereitungszeit, Tansportfähigkeit und weitere Eigenschaften informieren.
Gehen wir ans Eingemachte, nämlich Art und Inhalt der Rezepte. Man kann sagen, dass man es mit einer soliden, aber wenig überraschenden Mischung veganer Alltagsküche zu tun hat. Wenn man viele Blogs liest und schon ein paar Kochbücher besitzt oder ab und an mal in Facebookgruppen unterwegs ist, die sich mit veganem Kochen beschäftigen, hat man das alles schon mal gesehen. Egal ob es die Smoothies, Joghurts, Shakes oder Aufstriche zum Frühstück sind, die unvermeidlichen Salate (Nudel, Reis, Kartoffel, Kichererbse), und Wraps zu Mittag oder die schnellen Abendgerichte (Zucchininudeln, Ofengemüse, Bruschetta, Nudeln mit Pesto, Kürbissuppe) sind. Aber gerade weil man als routinierte Alltagsköchin einiges davon im Repertoire hat, lässt sich die Qualität der Rezepte gut beurteilen. Und die sind wirklich solide. Mehrfach habe ich genickt und gedacht: ja, so mache ich es auch.
Fassen wir also zusammen: Dieses Buch ist wunderbar für Kocheinsteiger und Veganeinsteiger geeignet, weniger für Kocherfahrene und langjährige Veganerinnen.
Positiv hervorzuheben ist die gute Verfügbarkeit der Zutaten. Zwar kommen vegantypische Lebensmittel mit Tofu, Hefeflocken, Sojasahne usw zum Einsatz, aber das Buch meidet Ersatzprodukte, die man nur in Veganshops beziehen kann.

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Zum Praxistest: Mein Mann hat sich für ein Steinpilzrisotto entschieden. Das fand ich ganz wunderbar, habe ich doch tatsächlich noch nie ein veganes Risotto gekocht (aber schon gerne im Restaurant gegessen). So konnte ich ein völlig neues Rezept unvoreingenommen testen. Bis auf den Risottoreis hatte ich alle Zutaten in Haus oder Garten und zufälligerweise eine ideale Verwendungsmöglichkeit für die von meinem Opa selbst getrockneten Steinpilze gefunden.

Das Rezept ist übersichtlich aufgebaut, verwendet die Zutaten in der aufgeführten Reihenfolge und ist vom Aufwand richtig eingestuft. Die einzige Unsicherheit war, dass die Menge des Einweichswassers (das später auch zum Ablöschen verwendet wird) nicht angegeben war.

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Das Gericht lies sich ohne Pannen und zügig runterkochen und schmeckte gut. Nichts zu meckern, solide Alltagsküche die man (aufgepeppt mit frisch gebratenen Pilzen) auch gut als Vorspeise für einen Abend mit Gästen wählen könnte. Zufällig ist das Rezept in der Vorschau des Buches bei Googlebooks nachzulesen, falls Ihr vor dem Kauf Probekochen möchtet 🙂 Das getestete Rezept passt hervorragend in das Buchkonzept: in einer halben Stunde fertig, schmackhaft, aus dem Vorratsschrank bestreitbar.

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