Eine Torte geht auf Reisen

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Erinnert Ihr Euch an das letzte Jahr um diese Zeit? Da schrieb ich davon, dass alle meine Freundinnen im gleichen Alter Nina, Anna oder Julia heissen. Meine Bremer Nina bekam letztes Jahr um diese Zeit eine Schokotorte im Retrostil, die die Hüften und Gaumen ihrer Gäste nachhaltig beeindruckt hat. Morgen jährt sich ihr Geburtstag wieder und aus meiner Küche zieht der Duft des Schokokuchens, der da für sie abkühlt, bis zu meinem Schreibtisch. Aber um diesen Kuchen dreht es sich hier gerade gar nicht, sondern um die andere Schokotorte meiner Wiener Nina.
Dabei ist meine Wiener Nina eigentlich meine Göttinger Nina. Dort haben wir uns 2001 beim Chemiestudium kennengelernt und konnten uns auf den ersten Blick nicht leiden. Daraus ist eine wunderbare Freundschaft entstanden. Wir haben uns durch Mathe und physikalische Chemie gekämpft, Dosenbier getrunken und sind nachts in den Kiessee gehüpft. Aber auch durch viele Kilometer und Landesgrenzen haben wir uns nicht aus den Augen verloren, während wir quer durch Europa umzogen. Vor fünf Jahren kam Nina aus Mannheim nach Graz, um meine Trauzeugin zu sein. Inzwischen lebt sie selbst in Österreich, genauer in Wien. Zwischen Bremen und Wien ist die Postverbindung mehr als bescheiden. Wenn auch nicht ganz so schlecht wie zwischen Wien und Bremen. Trotzdem wollte ich die Kekse vom letzten Jahr toppen und ihr eine Torte schicken. Ich dachte mir: wenn ich nur unempfindliche Cremes ohne Sahne mache und die Torte mit einer festen Ganache und Fondant eindecke, hat sie eine reele Chance, heile und zügig in Österreich anzukommen. Ich hatte die Rechnung ohne DHL und die Post gemacht.
Das ganze letzte Wochenende habe ich an der Torte gearbeitet, sie von Sonntag auf Montag trocknen lassen und dann sehr kreativ verpackt. Dabei gingen eine Menge Luftpolsterfolie, eine alte Rührschüssel und viel Packpapier drauf. Dann kaufte ich eine Onlinepaketmarke. Und musste nur einen halben Tag auf die Email warten, in der der Link war um sie auszudrucken. Ich habe jetzt viele Freunde bei der postpay Hotline -_- Dank dieses großartigen Service schafften wir es gerade noch, das Paket Montag Abend zur Post zu bringen. Dort wurde es gescannt und verschwand zwei komplette Tage von der digitalen Bildfläche, um Mittwoch in Regensburg wieder aufzutauchen. Versehen mit dem Hinweis auf den Paketverfolgungsservice der österreichischen Post, an die man die Sendung nun übergebe. Leider kannte eben dieser Paketverfolgungsservice die Sendungsnummer erstmal längere Zeit nicht. Schnappatmung und eine Nacht später leugnete die österreichische Post Donnerstag Morgen die Existenz der Sendung nicht mehr, verschwieg mir aber ihren Aufenthaltsort, nur um sie dann in Folge quer durch Wiens Postleitzahlenbereiche zu transportieren, ohne sie zuzustellen. Das versuchte sie dafür heute Morgen um 8 – eine perfekte Zeit, um als Berufstätige ein Paket engegenzunehmen. Die Torte liegt nun (wie ich die österreichische Post kenne mit der Oberseite nach unten) in einem Postamt des 20. Bezirks und wartet auf ihre Abholung. Ihr könnt also noch etwas die Daumen drücken, dass sie doch unversehrt und essbar angekommen ist. Sonst hat Nina hier immerhin ein hübsches Foto :D

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Nun aber zum Rezept für diese 18cm Torte (Keksboden, Macadamia-Schoko-Creme, Schokobiskuit, Trüffelcreme, Schokobiskuit, Schokoganache, Fondant)

Fangen wir mit dem Keksboden an:

40g gemahlene Mandeln
40g Mehl
40g Alsan
40g Zucker

mit den Händen verkneten und in eine Springform drücken, deren Ränder gefettet sind und in die ein Bogen Backpapier gespannt wurde. Dann bei 170° OU-Hitze 15 Minuten backen. Dieser Boden muss gut durchkühlen und richtig hart werden. Am Besten macht Ihr alle Teige am Vorabend.

Für die zwei Böden habe ich mich an das Biskuitgrundrezept von Stina gelehnt

240g Dinkelmehl
120g Rohrohrzucker
1 Pck. Vanillezucker
9g Weinsteinbackpulver
25g Kakao
1 Prise Salz
1 Prise Zimt
55g Distelöl
220g Mineralwasser

Die trockenen Komponenten mischen, dann die feuchten mit einem Schneebesen unterrühren. Den Teig ganz glatt rühren und halbieren. Jeweils eine Hälfte in eine mit Backpapier ausgelegte (einfach einspannen) Springform geben. Wenn Ihr zwei habt, könnt Ihr sie gleichzeitig nebeneinander im Ofen backen. Die Backzeit beträgt 28 Minuten bei 170° OU-Hitze. Stäbchenprobe!
Den fertigen Boden nach einigen Minuten lösen und auf ein Abkühlgitter oder Geschirrtuch stürzen und das Backpapier abziehen.

Den Keksboden in einen Tortenring spannen und nach Belieben mit Macadamia-Schoko-Creme bestreichen. Die bekommt Ihr (wenn ihr faul seid) fertig in der Aufstrichecke der Veganversandhändler, oder Ihr stellt sie schnell im Mixer her. Dafür Macadamianüsse mit etwas Ahornsirup zu einem Mus mixen und mit Kakao abschmecken.

Auf die Creme kommt ein Schokobiskuit (ggf. begradigen) und dann die Trüffelcreme

100g Alsan, zimmerwarm
150g Puderzucker
15g Kakao
2-3 EL Rum

Die Alsan schaumig rühren (mit dem Handrührgerät) und Puderzucker und Kakao einsieben. Dann den Rum einrühren. Fertig :-) Auf den ersten Biskuit streichen und mit dem zweiten Biskuit bedecken.

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Nun kommt die Ganache

200g Kuvertüre mit 70% Kakaoanteil (Nina mag ihre Schokolade dunkel wie die Nacht)
130g pflanzliche Sahne

Die Sahne in einem Topf erhitzen und die zerkleinerte Schokoladen einrühren. Die erste Schicht auf die im Ring steckende Torte giessen. Dann den Ring entfernen und mit der noch sehr flüssigen Ganache eine erste dünne Schicht über die ganze Torte ziehen. Dann einige Zeit warten und bei Bedarf die erste Schicht mit Kaltluft trocken föhnen, bevor ihr die nun zweite Schicht auftragt. Da die Ganache inzwischen etwas abgekühlt ist, sollte sie so fest sein, dass ihr eine glatte Oberfläche modellieren könnt.

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Stellt die Torte jetzt nicht in den Kühlschrank, sondern in einen kühlen Raum. Zu schnelles Abkühlen führt dazu, dass die Schokoschicht weiß wird. Wenn die Ganache fest ist, könnt Ihr die Torte mit Fondant eindecken.

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