Ein Abend im Al-Dar

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Seit fast einem halben Jahr wollen Michaela und ich schon ins Al-Dar gehen und das vegane Angebot ausprobieren. Aber wie das Leben so ist… Heute hat es den Besten aller Männer, den Hund und mich in die Bremer Überseestadt verschlagen. Wegen des Regens kam mir heute Morgen die Idee, für die Helden des Alltags von Sea Shepherd einen Kuchen zu backen. Die bewachen dort zur Zeit rund um die Uhr die Brutkolonie der Sturmmöwen und könnten eine kleine Aufmerksamkeit sicher gebrauchen. Mehr zur Aktion könnt ihr hier nachlesen. Auf dem Rückweg vom Stützpunkt der Tierschützer haben wir das Al-Dar gesehen und da gerade die Sonne rauskam beschlossen, es direkt auszuprobieren. Durch die spontane Aktion gibt es nur Handybilder. Verzeiht bitte die teils schlechte Qualität.

Wir suchten uns einen Tisch auf der halbleeren Terrasse. Leider wurden wir dort direkt wieder wegkomplimentiert, da man ‚den Gästen die reserviert hätten, die freie Auswahl lassen wolle‘. Da das Restaurant nur halb gefüllt war und es schon 19:30 war, wirkte das etwas irritierend. Uns wurde dann die Wahl zwischen drei Tischen gelassen. Leider bemerkten wir erst nach dem Bestellen, dass diese alle neben den Toiletten lagen. Vielleicht war dieser Platz aber unserer vierbeinigen Begleitung geschuldet. Wir werden es wohl nicht erfahren.

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Da in der Karte vegane Speisen nicht separat ausgewiesen sind, half uns die ausnehmend freundliche Bedienung bei der Auswahl. Weil wir mit der syrischen Küche bisher nicht vertraut waren, entschieden wir uns mit der ‚Reise durch Syrien‘ für eine komplette Menüfolge. Ob die angebotenen Säfte vegan sind, war nicht zu ermitteln, aber das Al-Dar bietet eine Auswahl von Fritzlimonaden an, so dass wir gut versorgt waren.

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Ungewöhnlich zügig (nach nicht einmal 10 Minuten) bekamen wir einen unglaublichen Vorspeisenteller. Hummus, Tabouleh, Falafel, Olivensalat, scharfer Olivensalat, gebratene Kartoffeln, spinatgefüllte Teigecken, Linsensalat und frisches Brot liessen uns die Augen übergehen. Und genau so gut, wie die Speisen aussehen, schmeckten sie auch. Wir waren begeistert und konnten nicht fassen, dass wir uns dieses Angebot bisher entgehen liessen.

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An der Stelle möchte ich den außergewöhnlichen Service im Al-Dar hervorheben. Die Speisen wurden uns alle erklärt und egal welcher Kellner an uns vorbei lief, jeder warf einen Blick auf den Tisch und suchte kurz Augenkontakt. Die leeren Teller wurden zügig abgeräumt und unsere Hauptkellnerin fragte, ob sie den Hauptgang direkt abrufen solle, oder wir erst eine Pause wollten. Obwohl das Servieren von Speisen und Getränke sowie das Abräumen durch verschiedene Personen erfolgten, hatten wir stets das Gefühl, perfekt umsorgt zu sein. Zwischendurch kam sogar ein netter Herr und brachte Hugo Wasser, als dieser ihm auffiel.

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Unsere Hauptspeise ‚Gemüseallerlei nach syrischer Art‘ stellte sich als Gericht aus geschmorten Auberginen, Zucchini, Paprika und Zwiebeln in Tomatensauce heraus. Dazu gab es perfekt gewürzten Reis mit Pinienkernen und Nüssen. Die Hauptspeise kann ich durchweg loben. Die Sauce war pikant, das Gemüse hatte Röstaromen, die Kerne waren auch angeröstet und es harmonierte alles quer über den Teller.

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Da der Beste aller Männer Auberginen verabscheut, kam ich in den Genuss von einer Extraportion und kämpfte gegen Ende schon richtig. Perfekt wäre der Abend gewesen, wenn wir ihn an dieser Stelle beendet hätten. Leider konnte das Finale mit dem furiosen Auftakt nicht mithalten.

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Nachdem der Hauptgang abgeräumt war, bekamen wir einen wunderschönen Teller mit verschiedenen Eiskugeln, einer Gebäckauswahl, die nach Baklava und Co aussah und frisches Obst. Mein Veganerradar schlug beim vorsichtigen Probieren des Feigeneis‘ Alarm. Und auf Nachfrage stellte sich tatsächlich heraus, dass ein Fehler passiert war und dieser appetitliche Nachtisch nicht vegan war. Die nette Kellnerin erklärte, dass das am Computersystem läge… und kündigte einen Obstteller an. Als wir sagten, dass wir darauf nicht wirklich Lust hätten (immerhin hatten wir gerade einen Blick in den Nachspeisenhimmel geworfen), gab es aber keine andere Option. Auch unser Vorschlag, das Essen an dieser Stelle zu beenden und uns einen verminderten Preis in Rechnung zu stellen, wurde abgelehnt. Dafür wurden uns aber Tee, Kaffee und weitere Getränke angeboten. Wir haben dann kapituliert und es kam der Obstteller (der etwas liebervoller aussah, ich habe aus Frust erst das Foto vergessen).

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Es gab also Kiwi, etwas Ananas und viel Melone. Das freute Hugo ungemein, denn er liebt Melone fasst so sehr wie Bananen. So kam der Hund zu einer unerwarteten Zwischenmahlzeit. Wir waren inzwischen eigentlich eh schon pappsatt.

Die Gastfreundschaft und der tolle Service des Al-Dar wurde aber gerade an dieser unglücklichen Stelle wieder sichtbar. Uns wurde versichert, das Manko zu beheben und für eine richtige, vegane Nachspeise zu sorgen. Beim Hinausgehen wurde uns dann als Überraschung ein großzügiger Gutschein für einen erneuten Besuch überreicht, damit wir diese neue Nachspeise dann auch probieren können.

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Trotz einiger kleiner Tiefen war es ein sehr schöner Abend und auch ohne den Gutschein wären wir bald einmal wieder gekommen. Dann reservieren wir aber eine der schönen Bänke auf der Terrasse mit Blick auf den Europahafen.

3 Gedanken zu „Ein Abend im Al-Dar

  1. Hallo Julia,
    habe erst heute deinen Artikel gelesen und muss sagen, dass ich schon sehr enttäuscht war, denn wir waren lange vor euch da ( den Monat kann ich nun nicht mehr sagen und als ich das Dessert als unvegan zurückgehen ließ, tat man sehr betroffen, brachte uns einen grandiosen Obstteller und versprach sofort an veganen Desserts zu arbeiten. Ich hätte wirklich gedacht, dass so ein Faux pas nicht noch einmal passiert, zumal ich ansonsten wirklich begeistert war.
    Edda

    • Dann waren das wohl Lippenbekenntnisse oder es wurde damals nicht nach ‚oben‘ weitergegeben… unser Obstteller war nicht grandios. Aber wenigstens der Hund mochte ihn 🙂 Wir waren noch nicht wieder da, um es zu überprüfen… Nächstes Mal werde ich es schon bei der Reservierung angeben und hoffe das Beste.

  2. Pingback: Al-Dar | Veganes Bremen

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